AITEL AUF SICHT - Tenkara AUSTRIA

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AITEL AUF SICHT
MIT DER TROCKENEN

Wer sich beim Fang von Dickköpfen bewährt, fängt Salmoniden umso leichter. Was aber dabei zu beachten ist im folgenden Beitrag.

 
Wenn ich mich zurück erinnere: Dem Aitel oder auch Döbel genannt, verdanke ich meine Entwicklung zum Fliegenfischer. In den späten 1970er Jahren habe ich vorrangig mit der Fliege auf Aitel gefischt, da gute Forellengewässer weder mobil noch finanziell für mich erreichbar waren. Auch wenn ich seither unzählige dieser Dickköpfe in den unterschiedlichsten Größen und darunter auch einige Kapitale gefangen habe, hat der Reiz ihnen nachzustellen an nichts verloren.

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Ein kapitaler Dickkopf

Aitel lieben „warmes“ Wasser und sind aufgrund der Entwicklung der Klimaerwärmung nun auch in fliessenden Gewässerabschnitten, die früher der Äsche und Bachforelle vorbehalten war viel häufiger anzutreffen. Geringe Ansprüche an die Wasserqualität, Anpassungsfähigkeit und Lebensweise machen das Aitel zu einem lohnenden Ziel für uns Fliegenfischer und es ist umso erstaunlicher, dass dem Dickkopf in der Fachliteratur doch recht wenig Platz eingeräumt wird. Mir stehen zum Glück nach wie vor einige unterschiedliche, aber produktive Gewässer aus Sicht der Bestandsdichte und auch Größe zur Verfügung um diesem Fisch gezielt nachzustellen.

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FISH ON

Im allgemeinen macht es wenig Mühe, Aitel bis zu 40cm auf Grund ihrer Gefräßigkeit an die Fliege zu bekommen. Größere und wirklich große Exemplare sind eine echte Herausforderung und ich muss gestehen, dass ich enorm viel Lehrgeld beim Aitelfischen gezahlt habe und auch heute noch bis zur Verzweiflung getrieben werde.
 

Schlau, vorsichtig und misstrauisch
Bisse von kapitalen Exemplare an der Trockenfliege erfolgen meistens sehr zaghaft und vorsichtig. Es kommt häufig vor, dass sie oft nur spielerisch nach der Fliege schnappen. Aitel, die von der Wasseroberfläche Nahrung aufnehmen, benutzen dabei auch ihren gut ausgebildeten Geruchssinn. Das heißt, sie beschnuppern in der Regel die Nahrung und nehmen ein totes Insekt sehr vorsichtig. Anders ist es bei sich bewegenden Insekten, die meist sofort genommen werden, da ja für den Fisch die Gefahr besteht, dass die Beute wegfliegt. Um diesen Abflug zu simulieren, zieht man beim Beschnuppern des Musters durch den Fisch die Fliege vorsichtig ein wenig zur Seite. Diese Methode hat schon so manches vorsichtige Aitel doch noch zum Anbiss verleitet. Den besten Erfolg hat man, wenn man dem Fisch die künstliche Fliege unmittelbar vor die Nase setzt. Auch wenn das Muster, ein wenig härter auf das Wasser aufsetzt übt oft einen unwiderstehlichen Reiz aus und der Biss erfolgt reflexartig.
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Eine fangträchtige Stelle


Aitel gezielt und auf Sicht zu befischen erfordert Geduld, vorsichtiges Bewegen im und am Wasser und durchaus ein wenig wurftechnisches Können, denn auf keinen Fall sollte die Fliegenschnur – vor allem in stehenden oder nur sehr langsam fließenden Gewässern - auf das Wasser platschen, sonst ist es für eine Weile vorbei mit dem Fischen, dann ist der ganze Schwarm plötzlich verschwunden. Döbel sind sehr soziale Fische, die sich gegenseitig warnen, wenn Gefahr droht. Wenn so ein Späher den Braten gerochen hat, dann geht erst mal eine Weile lang nichts mehr. Besonders bei sommerlichem, klaren Niedrigwasser halten sich einzelne, nach dem Laichen noch in den Zuflüssen verbliebene große Exemplare, gerne in der Nähe von Artgenossen kleinerer und mittlerer Größe auf. Sie betrachten das Geschehen um die präsentierte Fliege herum erst mal aus der Distanz. Wenn dann die kleineren Fische die Fliege abwechslungsweise schnell anstupsen, sie dabei versenken und dann aufgrund der Ungenießbarkeit links liegen lassen, so kommt der vorsichtige Kapitale natürlich gar nicht erst in deren Nähe. Diese gierigen und lästigen Vorkoster haben mich früher viele Nerven gekostet. Wenn aber auch die großen Exemplare Interesse zeigen, dann aber Ruhe bewahren. Kapitale Dickköpfe lassen sich bei Nehmen oft sehr sehr viel Zeit und die Fliege wird ein Stück verfolgt und dann ganz langsam eingesaugt. Und nun nicht den Fehler begehen und den Anhieb in diesem Augenblick setzen, sondern warten bis der Fisch abdreht. Mein Tipp: sag in diesem Augenblick langsam „MAHLZEIT“ und erst dann setze den Anhieb.

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Große sind oft Einzelgänger

 
Ausrüstung
Da ja auch jederzeit kapitale Fische zu erwarten sind, verwende ich eine 7:3 Rute , kombiniert mit einer geflochtenen Tenkara-Wurfline. Aitel haben eine enorme Reaktionsschnelligkeit und legen in den ersten Sekunden nachdem der Haken gesetzt wurde auch eine enorme Kampfkraft an den Tag, die aber ziemlich schnell erlischt. Aber genau diese ersten Sekunden sind entscheidend, um nicht Schnurbruch zu erleiden. Darum als Empfehlung unbedingt ein Vorfach der Stärke 0,18 (max. 0,16) nutzen. Bewährt haben sich auch gut schwimmende bis zu einer Länge von 3,5m Vorfächer. Aitel sind extrem gefräßig und liebe fette Happen, darum sind bei der Trockenfliegenfischerei hochschwimmende, gut sichtbare buschige Fliegen immer angesagt.
Ein Top-Muster in diese Richtung ist die Irresistible oder ähnliche Muster sowie auch Nachbildungen von Landinsekten (Heuschrecken, Käfer,..) in den Größen 6 bis 14 haben sich bestens bewährt. Aber auch kleinere Streamer sind unwiderstehlich.
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Ein TOP-Muster, die IRESSTESIBLE


Standplätze und Fangzeiten
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Aitel lieben Sonnenbäder
Sie sind schon oft im März und April, wenn die ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf das Wasser treffen, nahe der Wasseroberfläche zu finden und fressen bis spät in den Herbst, oft auch lange noch in die kalte Jahreszeit hinein nahe der Wasseroberfläche. Kleine Gumpen, Unterstände, Steinplatten, Wasserfälle, Bacheinmündungen  usw. sind spezielle Plätze, wo sich eventuell größere Fische aufhalten könnten. In den Frühjahrs- und Sommermonaten bietet der frühe Vormittag und der laue Abend meist die beste Fangaussicht. In der kühleren Monaten (März, April, September, Oktober und auch noch November konzentrieren sich die Beißzeiten auf die Mittagszeit und den frühen Nachmittag.
 

Kaum ein Fisch polarisiert in Fliegenfischerkreisen so sehr wie das Aitel. Fischer, die über ein gutes Forellen- und Äschengewässer verfügen, hassen ihn wie die Pest, weil er durch sein räuberisches Verhalten großen Schaden unter den Salmoniden anrichten kann. Dennoch hat er auch Freunde unter den Fluganglern, einer davon bin ich und der Fisch verdient viel mehr Beachtung als ihm zugestanden wird. Große Exemplare erfordern unser ganzes Können und ihnen mit der Trockenfliege nachzustellen lassen kaum Wünsche offen.
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STECKBRIEF
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Ein wunderbar gezeichnetes Prachtexemplar
NAME:                   
AITEL / DÖBEL oder umgangssprachlich auch DICKKOPF

VERBREITUNG:      
fast ganz Europa (ausgenommen nördliches Skandinavien, Schottland, Irland) und auch in der Türkei, Russland, Armenien, Georgien und dem Iran

NAHRUNG:            
Aitel sind Allesfresser und umfasst hauptsächlich Insekten und deren Larven, Würmer, Früchte, Krebse und auch Kleinfische
                   
LAICHZEIT:            
geschlechtsreif mit 2 - 4 Jahren, Laichzeit witterungs- und gewässerabhängig von April bis Juni       

LÄNGE / GEWICHT:          
durchschnittlich 30 – 40cm und 1 Kilogramm schwer erreicht das Aitel aber auch eine Länge von 70cm und eine Gewicht von 3-5 Kilogramm
         
MERKMALE:          
Sein gestreckter und seitlich abgeflachten, torpedoförmigen Körper mit einem großen Kopf macht ihn zu einem hervorragenden und kampfstarken Schwimmer. Die Schuppen weisen eine dunkle  Umrandung auf, die eine netzartige Zeichnung ergeben. Silbern glänzt der Rücken und die Flanken
sind silbern bis golden, die Bauch- und Afterflossen rötlich gefärbt.

LEBENSWEISE:      
Aitel sind nahezu überall anzutreffen, egal ob in Kleingewässern, Wiesenbächen, Entwässerungs-gräben, stark strömenden Bächen, Flüssen, von Flüssen durchzogenen Seen,  Staubereichen, ja sogar in Tümpeln und lebt typischerweise in kleinen Gruppen von etwa zehn Tieren.  Jungfische stehen in größeren Schwärmen oberflächennahe und erbeuten Anflugnahrung. Große Aitel sind vorwiegend Einzelgänger an Unterständen wie überhängenden Bäumen und Sträuchern, unter Brücken oder tiefen Gumpen eines Baches. Zu den bevorzugten Standorten zählen auch strömungsarme Bereiche hinter größeren Steinen oder kleine Buchten.
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